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Kinderherd der Firma Woeste aus den 20ern

 

 

Ich möchte euch einen, wie ich finde, sehr schönen und interessanten Kinderherd zeigen.


Der Herd stammt aus den zwanziger Jahren und wurde von der Firma Woeste hergestellt.
Dieser Kinderherd ist eine bis ins Detail genaue Kopie eines Herdes, wie er in der Küche vieler Haushalte stand.
Optisch und funktionell ist er genauso gestaltet.
Wenn ich Besucher da habe kommt oft der Kommentar: Genauso einen hatten wir (oder die Oma, je nach Alter des Besuchers) früher!


D.h., genau wie der große Bruder ist er mit verschiedenen Brat/ back- und anfeuerungsöffnungen ausgestattet, er verfügt über einen Rost, durch den die Asche in den Aschekasten fällt, hat eine Lüftungsklappe, mit deren Hilfe dem Feuer Luft zugeführt wird und einen Regler, um den Zug der Abluft zu kontrollieren.

Im inneren sind verschiedene Kammern, durch die dem Backofen die heisse Luft zugeführt, um ihn herumgeleitet und dann durch das Ofenrohr abgeleitet wird.

Was den Herd letzten Endes doch wieder zum Spielzeug macht ist, dass er kein Abzugsrohr hat sondern zwei Brenner, wie man sie von ganz gewöhnlichen kleineren Puppenherden kennt.


Ich bin mit dem Innenleben des Herdes inzwischen bestens vertraut, weil er komplett! in alle Einzelteile zerlegt und von mir entrostet und gereinigt wurde.
Alle Muttern und Schrauben waren durch den Rost extrem schwergängig, darum habe ich mit einem Gewindeschneider -nomen est omen- neue Gewinde hineingeschnitten.
Fleckige Metallteile wie die Schutzstange, deren Halter und die Zierblenden an der Seite habe ich poliert.

Die Griffe wurden abgenommen und so war es möglich, die Emailleverkleidung zu entfernen und gründlich zu reinigen.

Die Ofenplatte war rostig und wurde mir dem Schwingschleifer bearbeitet. Die Ofenringe habe ich nach Hausfrauenart in warmen Essig eingelegt, der Rost wurde so angelößt und ich konnte ihn auch aus den Vertiefungen recht problemlos entfernen.



Zum Schluss habe ich die Metallteile, wie ich das immer mache, mit wenig Waffenöl gefettet.

Insgesamt stecken in dem Ofen also schon ein paar Arbeitsstündchen, aber es hat sich gelohnt!!

Der Ofen besteht aus geschätzten 1000 Einzelteilen (nein, das ist leicht übertrieben, aber ich schätze mal, es sind schon so um die 150), vom schweren, gusseisernen Backofeneinsatz bis zur kleinen Vierkantschraube, denn sowohl Schrauben als auch Muttern sind eckig und nicht rund.

 

Die schlichte weisse Seite.

 

 

Draufsicht mit Töpfen

 

 

Hier sieht man sehr schön die Abdeckungen sämtlicher Kochöffnungen

 

 

Mich begeistert, neben der Detailiertheit, dass der Herd noch absolut komplette ist; d.h., alle Einsatzringe, alle Originaltöpfe, das Schiffchen, das Backblech und der Haken, um die Herdringe zu verschieben, sind noch vorhanden. Auch der Wocktopf und die kleinen Topflappen gehörten schon immer zum Herd! Das Waffeleisen ganz rechts hinten stammt aus meinem privaten Fundus und passt so gut, darum darf es bleiben.
Auch das Geschirrtuch an der Stange stammt von mir. Die Geflieste Rückwand gehört auch original zum Herd!

Ich hatte das Glück, dass der Herd direkt von einer Wohnungsauflösung kommt, also wusste der Verkäufer, wer die urspüngliche Besitzerin war und er hat den Kontakt zu ihr hergestellt, so dass ich Informationen aus 1. Hand bekommen konnte.

Hier nun etwas über die Vergangenheit des Herdes:

"Der Herd gehörte meiner Mutter, die 1926 geboren wurde. Ihr Vater betrieb in (mindestens) 2. Generation in Bielefeld ein größeres Eisenwaren-Geschäft, in dem Herde, Öfen, Nägel, Schrauben etc. und auch Haushaltswaren angeboten wurden. Er schenkte meiner Mutter diesen Herd als sie ein kleines Kind war. Da meine Großeltern einigermaßen wohlhabend waren und meine Mutter von ihnen sehr großzügig ausgestattet und beschenkt wurde, wäre es sogar möglich, dass mein Großvater diesen Herd hat für sie anfertigen lassen. Meines Wissens war der Herd jedenfalls neu, als meine Mutter ihn bekam. Und natürlich hat sie auch auf ihm gekocht.
Ich meine, mich an ein Foto von ihr als vielleicht 4-jähriges Kind neben dem Herd zu erinnern. Aber leider musste ich mich von den meisten Fotos trennen, als ich im letzten Jahr das Haus meiner Mutter auflösen musste.
Auch den Herd hätte ich gern selbst behalten, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte. Für meine Mutter war er jedenfalls von großer Bedeutung und unbestritten das tollste Geschenk ihrer Kindheit, denn sie hat ihn von Ort zu Ort mitgenommen und bis an ihr Lebensende behalten."

 

 

Die zugehörigen Töpfe, sie gab es in ganz ähnlicher Form auch noch eine Nummer kleiner für die Puppenküchenherde.

 

 

Der Wecktopf, ebenfalls eine funktionierende Verkleinerung von Mutters Küchengerät.

 

 

Der Kohle oder Holzkasten läuft in einem Rahmen unter dem Herd. Zur leichteren Handhabung hat er Rädchen.

 

 

Blick ins Herdinnere, oben wird Holz eingelegt, mit der Klappe darunter kann die Luftzufuhr geregelt werden, je nach dem, wie weit sie aus dem Herd gezogen wird. Ganz unten der Aschekasten.

 

 

Detailbild von der Schutzstange und vom Haken. Im Hintergrund die Tür des Backofens, die sich über eine Spannfeder ab einem bestimmten Öffnungswinkel wieder selber schließt.

 

 

Durch dregen des Griffes wird geregelt, wieviel Abluft abziehen kann. Bei demHerd ist das ja eigentlich nicht nötig, weil er nicht an den Kamin angeschlossen war sondern über gewöhnliche Spiritusbrenner befeuert wurde.

 

 

Die Brenner befinden sich über der vorderen und der mittleren Herdplatte. Der linke Brenner ist auf einem Blechstreifen befestigt, der quer über dem Rost unter der Herdöffnung liegt. Im Gussmaterial sind Stege eingegossen, die den Brenner halten und ein Verrutschen verhindern.

Der Brenner unter der kleineren Öffnung wird durch drei Gussstege gehalten.

 

Damit man eine ungefähre Vorstellung von den Maßen des Herdes bekommt....wenn ich davor stehe, reicht mir die Herdplatte genau bis zum Knie (ich bin 166cm. groß)

 

 

Es wird wieder gekocht: Tomatensuppe mit Reis!

 

 

Ich glaube, es wäre sehr schade, wenn man das passende Kind zum Herd hat und ihn dann nicht benutzen lassen würde!

 

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