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Kochschrank der Firma Bing, ca.1908

 

Dieser Kochrank (weitere gebräuchliche Bezeichnungen sind Herdschrank, Kochstellage, Spieltisch) ist eine Sonderform der Puppenküche.

Anstelle der sonst üblichen drei Seitenwänden (bei den frühen Rauchfangküchen teilweise nur zwei), die als Stellfläche für Möbel und Herd sowie als Schauwände zum Aufhängen von Küchenutensilien notwendig waren, verfügte er lediglich über eine Rückwand, an der die wichtigsten Küchengerätschaften angehängt werden konnten.

Zusätzlich gab es im oberen Bereich ein fest eingebautes Regalelement mit Schubladen und im Unterbau ein großes Schubfach als Stauraum für alles, was die Puppenköchen unmittelbar zur Nahrungszubereitung benötigte.

 

Im Gegensatz zur gebräuchlicheren, dreieitigen Gehäuseform, die meist noch eine mehr oder weniger komfortable Spülmöglichkeit besaß und in der sich oftmals Geräte befanden, die zur allgemeinen hauswirtschaftlichen Arbeit nötig waren (putzen, waschen,...) bot der Kochschrank dafür nur wenig Platz.

 

Auch Arbeitsschritte wie z.B.das Zusammenmischen von Zutaten, die Verarbeitung von Teigen, das Vorbereiten von Gemüse, etc. konnten auf Grund des Plazmangels nicht direkt am Kochschrank stattfinden. Hierfür wurde eine seperate Arbeitsfläche am Spieltisch im Kinderzimmer (oder einfach auf dem Fussboden) notwendig.

 

Ein Vorteil vom Kochschrank gegenüber der Puppenküche war jedoch, dass er Platz für zwar wenige, dafür aber "richtige" große und somit funktionsfähige Kinderküchengeräte bot. Auf dem Stellplatz, der für de Kochherd gedacht war, passte ein ziemlich großes Exemplar, das zum richtigen Kochen zu gebrauchen war, während im herkömmlichen Puppenküchengehäuse meistens lediglich Platz für eine "Herdatrappe" da war..

Am Kochschrank konnte also richtig zugepackt und gearbeitet werden, ohne dass sich die kleine Köchin ständig in acht nehmen musste, dass sie im engen Puppenküchengehäuse nicht die kleine Möbel und winzige Küchenutensilien umgestossen hat. Arbeiten in mehr oder weniger aufrechter (oder zumindest knieender) Haltung war möglich, und auf einem vor den Schrank gestellten Kinderstühlchen konnten kleine Mädchen sitzen und bequem im Topf rühren.

 

Bei der Datierung und Herstellerfindung des gezeigten Kochschrankes war Sabine Reinelts "Puppenküche und Puppenherd" hilfreich.

Auf Seite 117 ist ein identisches Exemplar abgebildet, das auf 1908 datiert ist. Der Aufsatz auf dem Schrank in typischen Jugendstilform bestätigt diese Datierung zusätzlich.

Auf Abbildungen aus einem Bing Katalog aus dem Jahre 1901 ("Puppenküche und Puppenherd" Seite 147) ist der Kochschrank ebenfalls zu sehen, hier jedoch mit einem Aufsatz, der noch sehr an die Gründerzeit erinnert. Diese Katalogabbildung kann auf Seite 27 mit einem alten Fotografie verglichen werden, die aus dem Jahre 1897 stammt. Mehr als ein Jahrzehnt war die Sonderform der Puppenküche also aktuell!

Ob Bing als Blechspielzeughersteller den Kochschrank nun tatsächlich in eigerner Fabrikation produziert hat oder ob er von der Firma lediglich zugekauft wurde, damit er das Angebot an Puppenherden ergänzen konnte, ist die Frage.

 

Tatsächlich konnte sich der Kochschrank gegenüber der herkömmlichen Puppenküchenform damals jedoch nicht durchsetzen. Aus welchen Gründen auch immer, die Kundschaft bevozugte das bewährte Modell mit den Seitenwänden.

Wenn man jedoch heutzutage nach Puppenküche für Kinder sucht dann stöss man unweigerlich auf Plastik- oder Holzküchen, die vom Aufbau her verblüffende Ähnlichkeit mit dem guten alten Kochschrank haben!

Der Herd wurde inzwischen fest in die Küche integriert,

die verwendeten Materialiensind sind zeitgemäß, das Design der Küchengerätschaften wurde ebenfalls dem neuesten Stand der Technik angepasst (ganz abgesehen davon, dass diese Geräte rein nur noch zum so-tun-als-ob taugen), der Grundgedanke des Kochens -danke, Laura!!;-)- auf engstem Raum ist bei den neuen Küchen immer noch sicht- und nachspielbar!

Meine beiden Töchter haben mit ihrer Plastikküche gerne und viel gespielt!

 

 

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